Binz auf Rügen

Binz auf Rügen

Auto, Bahn, Fähre oder Flugzeug, es gibt viele Möglichkeiten auf die Insel Rügen zu gelangen. Ich persönlich bevorzuge für das letzte Stück die Fähre. Wer die Rügenbrücke noch nie gesehen hat, sollte sich für diesen Weg über den Strelasund entscheiden. Allerdings gibt es dann auch gern mal lange Rückstaus, im Sommer und zu Ferienzeiten würde ich davon abraten. Wer mit dem Flugzeug nach Rostock fliegt, kann einen Shuttle vom Flughafen Rostock-Laage auf die Insel Rügen nach Bergen, Binz, Sellin, Baabe und Göhren reservieren.

Der Shuttle bringt euch vom Terminal Rostock-Laage direkt bis zur Unterkunft und holt euch von dort auch wieder ab. Der Transfer kostet pro Fahrt und Person 50 Euro, bar im Bus zu bezahlen. Je nach Zielort beträgt die Fahrzeit zwei bis zweieinhalb Stunden. Gute Idee für Urlauber, die mit dem Auto eine sehr lange Anreise haben und deswegen auf das Flugzeug ausweichen. Fahrräder um Rügen zu erkunden, könnt ihr überall auf der Insel mieten, ist sowieso angenehmer als ewig im Stau zu stehen.

Die Rügenbrücke wurde 2007 als Entlastung parallel zum Rügendamm gebaut. Wer die Zeit davor kennt, weiß wie lang früher die letzten Kilometer waren. Wer nicht über die Brücke möchte, kann alternativ die Fähre Stahlbrode-Glewitz nutzen.
Die Ostseebäder streiten sich zwar untereinander, welches das schönste und tollste Ostseebad ist. Aber mein Favorit war, ist und bleibt Binz. Hier hat man (wie auch in den anderen Bädern) alles, Strand, Wasser, Wald, tolle Ausflugsziele, eine prachtvolle Promenade und die unverwechselbare Bäderarchitektur. Ich habe zu DDR-Zeiten einige Jahre in Binz gelebt und es war ein Trauerspiel diesen schönen alten Häusern beim Vergammeln zu zusehen.

Wert wurde damals nur auf den FDGB – Tourismus gelegt. Um jedem DDR-Bürger (ca. alle 10 Jahre) wenigstens einmal die Möglichkeit zu geben die Ostsee zu besuchen, wurden FDGB-Heime gebaut. Natürlich gab es auch Campingplätze und private Vermietungen. In den Ferienzeiten sind die Binzer eng zusammen gerückt, um wirklich jedes freie Bett privat zu vermieten. Wenn man am späten Nachmittag in der „Kaufhalle“ Brot oder Milch haben wollte, war schon alles weg. Die Versorgung der Insel war damals nicht auf die vielen Urlauber ausgelegt. Aber das ist Schnee von gestern. Nach der Wende ist das staatlich organisierte Erholungswesen komplett zusammen gebrochen.
Die Ära der Bauspekulanten und Immobilienmakler begann nach der Wende und hält bis heute an. Einheimische werden verdrängt, da sie die Mieten nicht mehr zahlen können. Das Flair eines mondänen Seebades muss um jeden Preis erhalten und ständig verbessert werden. Als Urlauber findet man alles toll, als Einheimischer wohl eher nicht.

Kurhaus und Seebrücke

Vom Kurhaus seht ihr die 370 Meter lange Seebrücke.In den 1960er Jahren übernahm das Reisebüro der DDR das Kurhaus. Auf der Terrasse konnte man Käffchen trinken, den Kurkonzerten lauschen und die vorbeiziehenden Massen beobachten. Daneben war vor der Wende auch der einzige „Intershop“, in dem man die wertvolle DM (sofern vorhanden) ausgeben konnte.

Erstmals in 2017 Jahr findet der Kultursommer mit einer großen Vielfalt an Konzerten mit Künstlern aus nah und fern statt. Den Ironman sollte man im September auch nicht vergessen. Von der Seebrücke aus fahren regelmäßig Ausflugsschiffe nach Sassnitz, in die benachbarten Seebäder Sellin und Göhren sowie zum Kreidefelsen. Seht euch den Kreidefelsen vom Wasser aus an, das ist wesentlich schöner. Hier seht ihr den Fahrplan der Adler-Schiffekönnt ihr euch mal durch scrollen.
Wenn das Wetter nicht mit spielt, oder ihr keine Lust auf Strand habt, lädt euch das große Waldgebiet der Granitz zu Spaziergängen, Wanderungen und Radtouren ein. Das Jagdschloss Granitz solltet ihr gesehen haben. Lasst das Auto lieber stehen und nutzt den Jagdschlossexpress zum Jagdschloss Granitz.

Unterkunft

Je nach Geldbeutel und Geschmack könnt ihr zwischen Ferienwohnungen, Häusern, Strandvillen, Hotels, Apartments usw. wählen. Wir haben im Hotel Merkur geschlafen, welches absolut zu empfehlen ist.

Silvester in Binz

Wer glaubt, dass zum Jahreswechsel niemand nach Binz fährt, hat sich geirrt. Während dieser Zeit ist Hochsaison. In Binz könnt ihr sogar zwei Feuerwerke an der Seebrücke erleben, um 18:00 Uhr und kurz nach Mitternacht. Das Video ist von dem 18:00 Uhr Feuerwerk.

 

Trotz der manchmal eisigen Temperaturen in dieser Jahreszeit ist es genau so voll wie im Sommer.

Fischer Kuse

Rechts von der Seebrücke müsst ihr bis zum Fischerstrand laufen, dort ist die Fischräucherei Kuse mit Imbiss, einfach probieren und ihr werdet wieder kommen. Das ist übrigens keine Bretterbude, mit einem Typen, der euch in Altöl gebackene Fischbuletten verkauft, mittlerweile ist es ein schickes Lokal mit schöner Aussicht und es schmeckt super.

Fischer Kuse Binz

Der Fisch kommt vom Boot direkt in den Räucherofen, oder anders zubereitet gleich auf den Teller. Lecker, lecker, lecker.

der Rasende Roland

Natürlich heißt der „Rasende Roland“ nicht wirklich so! Roland ist offiziell Teil der Rügenschen Kleinbahnen. Ich persönlich habe aber immer nur den Namen „Roland“ gehört. Woher kam dieser Name?
In den 60er-Jahren kamen viele Kumpel aus der Wismut AG zum urlauben nach Rügen. Der Roland ist der Schutzpatron der Kumpel und irgendwie hat sich der Name im Laufe der Zeit durchgesetzt. Von Mai bis Oktober könnt ihr eine Fahrt mit dem „Roland“ und einer Schifffahrt kombinieren.

ehemaliger Rettungsturm

Der bekannte Binzer Architekt und Bauingenieur Ulrich Müther (1934 – 2007) entwickelte unter anderem in den 70er Jahren diesen futuristisch anmutenden Rettungsturm. 1981 wurde er fertiggestellt. Vielleicht kennt ihr den Teepott in Warnemünde, oder das Inselparadies in Baabe, ist auch von ihm.

Mitte der 80er Jahre war Müther als Architekt in Wolfsburg am Bau des Planetariums beteiligt und die DDR bekam nach Fertigstellung dafür 10.000 VW Golf. Die Dinger wurden auf den angesagten Schwarzmärkten in bspw. Berlin, oder Erfurt bis zu 100.000 DDR Mark gehandelt. In der Saison haben sich Hunderte von Kindern auf dem Turm die Augen ausgeheult. Ständig wurden Eltern ausgerufen, deren Kinder dort oben saßen. Es wurden kleine Wunden versorgt und diverse Sonnenstiche behandelt.
Ich hatte befürchtet, dass der Turm im Zuge der Wende eingestampft wird, aber Gott sei Dank hat man ihn erhalten. Seit 2006 wird der ehemalige Rettungsturm als Außenstelle des Standesamt der Gemeinde Ostseebad Binz für Trauungen genutzt.

Drohnen als Lebensretter

Seit Mitte Mai 2018 fliegen die „Rettungscopter“ der DRK-Wasserwacht über 14 Ostseestrände, darunter auch auf Rügen und Usedom. Sie sind bis zu 65 Stundenkilometer schnell und mit automatisch aufblasbaren Schwimmhilfen ausgestattet. Eine super Idee in Anbetracht der Tatsache, dass 2017 im Nordosten elf Badegäste ums Leben gekommen sind.  Noch bevor die Rettungsschwimmer eintreffen, können die Drohnen die Schwimmhilfen abwerfen.

Prora

Eine Immobilie deren Ausmaße wohl am besten aus der Luft zu erkennen sind. Ein gewisser Österreicher wollte dort 20.000 Menschen jährlich einen zehntägigen Urlaub ermöglichen. „Kraft durch Freude“ ist aber nicht aufgegangen. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges hat die Fertigstellung verhindert. Während des Krieges wurden die bereits fertig gestellten Gebäude als Lazarett genutzt. Zwischen 1948 und 1953 nutzte die Rote Armee die Bauten.Von 1961-1982 war die NVA stationiert. Familienangehörige durften dort ihren Urlaub verbringen.

Das umliegende Areal wurde über Jahrzehnte zum Sperrgebiet. Nach 1982 mussten Kriegsdienstverweigerer (im Osten Bau-soldaten, oder Spatentruppe genannt) dort ihren Dienst absolvieren und am Hafen von Mukran mitarbeiten. 1994 wurde Prora unter Denkmalschutz gestellt. Jetzt wird dort kräftig gebaut, unverbauter Blick auf das Meer, Designerbalkons, bodentiefe Fenster, Luxus pur. Wenn wir bei den 20.000 bleiben, haben jetzt die „oberen 20.000“ die Möglichkeit dort Eigentum zu erwerben.

Mir ist auch absolut schleierhaft wie diese zusätzliche Verkehrsbelastung logistisch funktionieren soll, An-und Abreisetage sind jetzt schon von übervollen Straßen geprägt.

Schmachter See

Wer von der Seebrücke aus die Hauptstraße bis ganz nach unten durchgeht und die Bahnhofstraße überquert, kommt direkt an den Schmachter See. Hier könnt ihr euch beim Spaziergang die Beine vertreten, oder einfach nur auf einer Bank sitzen und die schönen Sonnenuntergänge beobachten. Früher war der See ziemlich verschlammt und hat teilweise richtig gestunken, aber jetzt ist alles wieder in Ordnung.

Eine gute Alternative für diejenigen, die auch mal weg vom Strand wollen.

Zusammenfassend

….Rügen ist sehr viel mehr als Binz und immer eine Reise wert. Ich werde auch langfristig über andere Orte berichten.

8 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Liebe Daniela,
    Rügen steht auch auf unserer Bucket List! Wir sind riesige Inselfans, doch bisher zieht es uns meistens an die Nordsee.
    Viele Grüße von Sanne

    Antworten
    • Hallo Sanne, bei uns ist genau umgedreht, ich bin eher ein Ostseefan, aber so langsam muss ich jetzt auch mal an die Nordsee……:-) Liebe Grüße Daniela

      Antworten
  • Binz mit seiner Bäderarchitektur ist wirklich ein sehr beeindruckendes Städtchen. Wir haben damals noch Kap Ankona mit dem Fischerdöfchen Vitt besucht, das war wirklich sehr schön. Wenn man mit dem Auto anreist lohnt sich auch ein Stopp in Stralsund mit seiner wundervollen Altstadt. Liebe Grüße von Urlaubsreise.blog

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    • Hallo Tina, ja, Binz ist schön, ich hoffe, dass es nicht zu einem zweiten Sylt mutiert. Natürlich sollte man sich Stralsund auch mal ansehen, ich war früher so oft dort, dass ich es komplett ausgelassen habe. 🙂 Liebe Grüße Daniela

      Antworten
  • Burkhard | PixelWo.de
    6. August 2018 10:42

    Tolle Fotos und viele sehenswerte Dinge auf der Insel Rügen. Danke für die Anregungen. Da werde ich wohl demnächst wieder Urlaub machen. LG Burkhard

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    • Hallo Burkhard, ja, Rügen geht immer, zumindest außerhalb der Ferien, wir haben es in diesem Jahr nicht geschafft, aber im nächsten Jahr werden wir der Insel wieder einen Besuch abstatten.

      Liebe Grüße
      Daniela

      Antworten
  • Ein schöner Beitrag! Danke für die vielen Informationen und die tollen Bilder! Ich mag Binz und Rügen auch unheimlich, selbst haben wir in der Nähe von Wismar gelebt und haben gerne mal einen Ausflug nach Rügen gemacht.

    LG aus Norwegen
    Ina

    http://www.mitkindimrucksack.de

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    • Hallo Ina, ja, Rügen hat schon schöne Ecken, Lobbe und Thiessow finde ich auch schön, ist nicht so überlaufen, Wismar kenne ich auch noch von früher, aber von ganz früher, vor der Wende…:-) viel Spoß in Norwegen……Viele Grüße Daniela

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